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Wunder brauchen manchmal etwas länger……… Darum muss ich jetzt auch etwas ausholen um Tills Geschichte zu erzählen…. Im April 2017 waren wir auf dem Weg zu Anja, als kurz hinter dem Steinbruch ein magerer, abgewrackter, kranker, haarloser und ehrlich gesagt ziemlich hässlicher Kangalmix unseren Weg kreuzte. Wir waren zu 4 – Michael, Markus, Martin und ich (Sandra). Wir hielten sofort an um ihn uns genauer anzuschauen. Wir stoppten ihn und er sah wirklich erbärmlich aus. Fast kein Haar am Körper, seine ganze Haut war wie Elefantenhaut (Räude), er war sehr mager, hatte ziemlich platte Füße und abgeschnittene Ohren,  überall offene entzündete Stellen, auch die Augen….Ehrlich gesagt dachten wir, den kann man nur noch erlösen. Er hatte auch irgendwie gar keine Kraft und Lebenswillen mehr. Er schlurfte – mit dem Leben abgeschlossen – am Straßenrand entlang. Wir haben ihn dann gepackt und ins Auto in den Fußraum gesetzt. Wo er sich sofort hinlegte und seinem Schicksal ergab. Er hat alles völlig teilnahmslos über sich ergehen lassen.

Bei Anja am Haus angekommen kam Anja raus um sich unseren „Fund“ anzusehen. Begeisterung sieht anders aus – aber natürlich war sie sofort bereit ihn aufzunehmen. Sie meinte aber auch, dass sie ihn eventuell wieder „hinkriegt“ und sie versuchen will sein „Leben zu retten“. Wir waren erleichtert, weil natürlich ist es auch nicht schön einen Hund von der Straße zu „retten“ und er dann aufgrund seines schlechten Zustandes nur noch erlöst werden kann. So kam Till zu Anja im April 2017. Er bekam – weil er eben Räude hatte – eine Hundehütte – sogar mit Matratze (mit der er sofort fest verwurzelte..:-) – vor Anjas Haus. Er kam an eine lange Kette. Aber mit Räude kann er nicht rein zu Anja – die Ansteckung für die anderen Hunde ist zu groß. Wie alt Till damals war kann keiner sagen – für uns sah er uralt aus – Anja meinte er ist gar nicht so alt, er ist nur furchtbar krank, vernachlässigt und verbraucht. So sahen wir Till im Mai 2017 wieder, da waren schon seine Lebensgeister zurückgekehrt –  und auch sein Fell begann wieder zu sprießen (wenn auch noch spärlich) dank der guten Pflege bei Anja. Bei jedem Besuch bei Anja (ca. 6-7 mal pro Jahr), sahen wir Till. Es kam uns immer so vor, als ob er sich auch immer sehr freute uns zu sehen, weil er wußte, dass er es uns zu verdanken hatte, dass er nun ein sicheres Plätzchen, eine weiche Matratze und immer regelmäßig zu fressen hatte und auch liebevolle streichelnde Hände. Tills Platz vor der Tür an der Kette war eigentlich einer der besten Plätze. Jeder kam bei ihm vorbei um ihn zu streicheln und wenn Besuch mit irgendwelchen Hunden Gassi ging, durfte Till auch immer mit zum Gassi an den Fluß. Wasser liebt er.  Außerdem hatte immer jemand ein Leckerli für ihn in der Tasche. Till war vermutlich sogar ziemlich zufrieden dort – auch wenn  ihm im Sommer die Hitze und die Mücken und im Winter die Kälte und der Regen mit seinen Knochen doch sehr zu schaffen machte.

Uns allen war klar, dass Till vermutlich nie die Chance auf ein Zuhause in Deutschland erhalten wird. Wohin sollte ein großer, kranker und alter Kangalmix hin? Wir sind Pflegestelle von Kitmir und hatten 3 Hunde – wollten aber definitiv, wenn unsere älteste Hündin stirbt keinen 3. Hund mehr, weil somit dann immer 2 Pflegehunde bei uns Platz haben. Und bekanntlich quillt unser Tierheim immer aus allen Nähten. Till war trotz allem immer unserer Herzenshund – man hat zu den Tieren, welche man selbst „gefunden“ hat meistens eine engere Beziehung und er ist einfach auch ein ganz toller Kerl. Jeder mochte Till, diese riesige Vieh, der sich sofort auf den Rücken warf und sich den Bauch streicheln ließ, wenn Menschen kamen. Er war niemals in irgendeiner Form aggressiv – weder zu Mensch noch Tier. Er ist die Gelassenheit und Coolness in Person.  Unsere Freundin Anja Pfattheicher machte Patin und gab ihn den Namen Till (für Till Lindemann….) und andere tolle Menschen machten auch noch Paten für Till. Er war bei Kitmir unser Patenkönig.  

Dann starb Bonnie – die Schäferhündin die schon einige Jahre bei Kitmir war. Für die es nie eine Anfrage gab, obwohl Bonnie eine wunderbare, total liebe Hündin war. Es hat uns eigentlich allen von Kitmir das Herz schwer gemacht, dass Bonnie, diese wunderbare Bonnie immer übersehen wurde. Die meisten Menschen gehen halt zuerst aufs Äußere (was ja auch völlig normal ist…) aber so werden diese Hunde übersehen, wie Bonnie oder Till, oder so viele andere Hunde, welche wir noch haben (z. B. Elena, Maali), die eben nicht wunderschön sind, aber ein Herz und Charakter aus Gold haben. OK – ich schweife ab…..Auf jeden Fall sagte ich noch zu Kerstin unserer Vorsitzenden „……und Till wird es irgendwann auch so gehen. Er wird eines morgens tot an der Kette hängen“. Von da an dachten wir eigentlich darüber nach, dass es so nicht kommen soll. Wir überlegten uns – Herz über Verstand – dass wenn Side nicht mehr ist, Till ihren Platz einnehmen soll. Im März 2019 vererbte Side dann ihren Platz, ihren Korb, ihren Napf und ihre Menschen an Till und ging ins Regenbogenland.  Leider sollte es jedoch noch Monate dauern, bis Till bei uns einziehen durfte. Jedes Mal wenn wir dachten, so jetzt kommt Till, dann machte uns das Schicksal einen Strich durch die Rechnung. Gemäß dem Motto – Willst Du Gott zum Lachen bringen, dann erzähl ihm deine Pläne – kam es immer anders. Rückläufer aus der Vermittlung die wieder aufgenommen werden mussten, Hunde die dringend ausreisen mussten – immer war was Neues. Dann hatten wir seit März auch einen wunderbaren Pflegehund – Amber – die aber aufgrund ihrer Panik schwer zu vermitteln war. Amber ist ein wundervoller Hund – auch ein Herzenshund von uns, aber es kam niemand der sie mit dem Herzen sah, so wie die Menschen, die Amber kannten und wußten Amber braucht halt etwas länger um warm zu werden. Wir dachten dann irgendwann im Spätherbst, dass es das dann mit Till war. Amber wird wohl bleiben. Unser Credo war – wenn Amber an Weihnachten noch da ist, dann bleibt sie auch. Sie ist so wunderbar! Aber dann muss auch Till in der Türkei bleiben – das ist dann leider Schicksal. Und dann kam Ende November die tolle Anfrage für Amber auf die wir so lange gewartet haben  – und nicht mehr daran geglaubt haben. Amber zog zu wunderbaren Menschen an die Schweizer Grenze. Heulend haben wir Amber nach 9 Monaten Pflegestelle hingefahren und sind heulend zurück gefahren. Allerdings war uns ziemlich klar, dass es dort passt. Wir bekommen immer wieder Bilder von einer glücklichen Amber geschickt. Somit war der Weg nun frei für Till.

 

Till wurde für den 22.12.19 bei unserer Helferin Lilly eingebucht und kam so nach Deutschland. Wir hatten trotzdem natürlich Sorge ob alles so gut geht. Ob Till den Flug gut übersteht, ob er sich mit den anderen Hunden  und Katzen verträgt, ob er überhaupt ins Haus will, ob er evtl. aufgrund des Alters inkontinent ist (wir wissen allerdings immer noch nicht wie alt Till ist – irgendwas zwischen 8-13 Jahre – vermuten wir), ob er wohl überall im Haus markiert, ob er so brav wie in der Türkei ist………Natürlich macht man sich Gedanken wenn so ein ca. 50 kg Brocken wie Till kommt……….Als Willkommensgeschenk bekam er einen Ring Fleischwurst von unserer Freundin Tanja (fand er direkt klasse….!)Das Ergebnis war genau so wie es natürlich kommt, wenn man sich soviel Sorgen macht. Er ist unglaublich – ER IST PERFEKT! Till kam, war zu allen anderen Hunden nett und warf sich direkt in den größten Korb mit weichen Kissen und war dort nicht mehr rauszukriegen. Am nächsten Tag hat er noch andere Körbe getestet. Man will ja schon das beste Bett haben…….wenn man die Wahl hat. Er ist fast fest mit seinem Korb verwurzelt. Er liebt es zu liegen und  zu dösen. Außer der Leckerli Schrank geht auf, dann wird er munter. Er findet es ganz toll seine Leckerchen ans Bett gebracht zu bekommen. Und er stieg sofort von selbst ins Auto rein zum Gassi fahren. Ja Gassi liebt Till, da kommt er erstaunlich auf Touren. Er humpelt los und je länger er läuft, je runder wird die Sache. Er will auf jeden Fall mit. Wir dachten wir laufen mit ihm lieber kleine Runden – von wegen! Er läuft mit Begeisterung die großen Runden mit! Ob er inkontinent ist oder markiert? – Natürlich nicht! Er ist stubenrein! Wie konnten wir das von ihm denken. Er ist da, es kommt uns so vor, als ob er manchmal lächelt (ja ich weiß…….aber ich glaub trotzdem er lächelt manchmal) Er hat ein warmen und weichen Korb im Haus – da kann er nach dem Gassi gar nicht schnell genug rein kommen. Er liegt da und kann sein Glück gar nicht fassen. Er studiert uns und kennt jetzt schon den Ablauf. Dieser Brocken läßt sich von den Pflegehunden die Leckerli aus dem Korb stehlen in dem er liegt. Auch wir dürfen ihm Knochen aus dem Maul nehmen. Von ihm kommt keinerlei Contra. Er ist einfach glücklich und zufrieden. Till ist unser Weihnachtsgeschenk und Weihnachtswunder! Es wird nichts Gutes geschehen, es sei denn Du tust es. Wir sind so glücklich, dass er bei uns ist, dass wir das Herz und nicht den Verstand haben entscheiden lassen. Es war höchste Zeit für Till heimzukommen………..